Zu den Spezialisten im Mittelalter gehörten die Berufe der Knochenschnitzer und Kammmacher. Bereits in den frühen Städten wie Haithabu oder Schleswig konnten archäologisch solch spezialisierte Handwerker nachgewiesen werden. 

Viele Gegenstände die man heute aus Kunststoff  herstellt, wurden im Mittelalter aus Rinder- oder Pferdeknochen, Geweih (Rothirsch, Elch, Rentier) und  Horn gefertigt. Ein Grund mag die leichte Verfügbarkeit speziell von Knochen gewesen sein, die als Schlachtabfälle in den Städten in größeren Mengen kostenlos zur Verfügung standen. 

Vor der Verarbeitung mußten  diese Knochen durch Auskochen entfettet und gebleicht werden, was mit einer gewissen Geruchsbelästigung verbunden war und sicher nicht unbedingt zur  Beliebtheit dieses Handwerks beitrug. 

Knochenmaterial fand seit dem frühen Mittelalter vielfältige Verwendung für die verschiedensten Alltagsgegenstände wie Nadeln, Flöten, Kämme, Würfel, Spielsteine, Gürtelschnallen, Webbrettchen, Döschen, Messergriffe und Schachfiguren. 

Die verwendeten Werkzeuge und Handwerkstechniken entsprachen den noch heute üblichen Werkzeugen und Arbeitsabläufen bei der Knochenschnitzerei: Drechseln, Sägen, Feilen und Schnitzen. 
Drechselbänke wurden über eine Wippe („Wippdrehbank“) mit einem Seil angetrieben, die verwendeten Sägen und Feilen waren bereits sehr fein gearbeitet, Schnittbreiten von 0,25 bis 0,5 mm sind keine Seltenheit. 

Die genauen Arbeitsabläufe sind nicht mehr mit letzter Sicherheit zu rekonstruieren. Archäologische Funde und hier insbesondere Halbfabrikate und Reststücke lassen jedoch gewisse Schlüsse auf die damaligen Herstellungstechniken zu.